Chronik

Wenngleich die Gründung der Musikkapelle St. Martin in einer Chronik mit dem Jahr 1871 fixiert ist, so darf dennoch mit Sicherheit angenommen werden, dass auch schon vor diesem Datum im musikalischen St. Martin eifrig musiziert wurde. Aus dem losen Zusammenschluss der Musikliebhaber ist eben im Gründungsjahr 1871 ein regelrechter Klangkörper - eine Musikkapelle entstanden.
Als erster Kapellmeister der neu gegründeten Musikkapelle fungierte der damalige Schulmeister Josef Pagl. Sein Bruder Karl, Hilfslehrer an der Volksschule in St. Martin, gleichfalls Mitglied der Musikkapelle, sorgte in erster Linie für den Bläsernachwuchs.

1885 übernahm Kaspar Krammer, Besitzer der Brauerei Hofstetten, die Musikkapelle und führte diese bis zu seiner Wahl zum Landtagsabgeordneten im Jahr 1905. Eine neue Musikära für St. Martin wurde durch den Landwirt Leopold Niederhuber eingeleitet. Er war als fleißiger, umsichtiger und hochbegabter Kapellmeister über die Grenzen St. Martins bekannt und hat in unzähligen Stunden Dutzenden Musikschülern die Kunst des "Blasens" gelehrt. Leopold Niederhuber, der neben seinen Berufspflichten als Landwirt auch die verantwortungsvollen Amtsgeschäfte eines Bürgermeisters zu führen hatte, diente der Musik mehr als 60 Jahre in uneigennütziger Weise.

Während des 1. Weltkrieges vertrat der Lehrer Franz Wöss Leopold Niederhuber. Nach dem 1. Weltkrieg wurden wieder rasch alle musikalischen Kräfte des Ortes gesammelt und unter Führung von Leopold Niederhuber und Braumeister Kaspar Krammer die Kapelle zielstrebig aufgebaut. Die beiden Musikerfamilien Niederhuber und Krammer bildeten nicht nur den Grundstock der Musikkapelle, sondern sie waren auch vorzügliche Sänger.

Im Zuge seiner "Brautfahrten" auf die musikalischen St. Martiner aufmerksam geworden, übernahm der Chormeister der Liedertafel "Einklang" Karl Springer die Leitung des neugegründeten Vereins. Am 31. Oktober 1920 fand die konstituierende Vollversammlung statt. Der Verein entfaltete ein reges Vereinsleben und konnte in den folgenden Jahren durch beispielhafte Darbietungen bei Konzerten und Liederabenden seinen guten Ruf verstärken und auch auswärts viele neue Freunde und Gönner gewinnen. Außer den stets gut besuchten und mit reichem Beifall bedankten Konzerten trat der überdurchschnittlich begabte Karl Springer mit seinem gut geschulten Klangkörper auch vor dem kritischen Publikum in der Stadt auf.

Mit der auffallend raschen Aufwärtsentwicklung und den vielen Auftritten in und außerhalb St. Martins wurde die Frage der Uniformierung der Kapelle akut. Man entschied sich in Anlehnung an die Uniform des Bundesheeres für eine marineblaufarbene Uniform mit Tellermütze. Der dafür notwendige Geldbetrag wurde durch Haussammlungen sowie durch eine eine Spende der Gemeinde St. Martin aufgebracht. Karl Springer, der den Verein St. Martin in erstaunlich kurzer Zeit auf ein beachtliches Niveau geführt hatte, war durch seine berufliche Gebundenheit an Linz nicht mehr in der Lage, den Verein weiterhin zu leiten und übertrug die musikalische Leitung dem bisherigen Kapellmeisterstellvertreter Kaspar Krammer, Braumeister der Brauerei Hofstetten.

Es galt, die beneidenswerte Leistungskraft des Klangkörpers zu erhalten, was dem hochmusikalischen und rührigen Kapellmeister Kaspar Kammer auch sehr gut gelang. Als wertvoller Bläserinstruktor erwies sich Franz Niederhuber, der im Jahre 1934 zur Vervollkommnung seiner reichen Kenntnisse in der Blasmusik einen Kapellmeisterkurs am Brucknerkonservatorium Linz mit sehr gutem Erfolg absolvierte. Am 5. Mai 1935 wurde dem Gemeindesekretär Leopold Loizenbauer die Führung des Vereines übertragen, bis schließlich mit Beginn des 2. Weltkrieges das Vereinsleben völlig lahm gelegt wurde.

Nach Kriegsende gingen die verbliebenen Musiker rasch wieder daran, die Kapelle neu aufzubauen. Es mangelte an brauchbaren Instrumenten, und auch die Uniformen wurden ein Opfer der "Spinnstoffsammlung". Die Hauptlast der Aufbauarbeit hatten Leopold Niederhuber und sein Sohn Franz sowie Heinrich und Rudolf Krammer zu tragen, da sie auch die Heranbildung junger Musiker übernehmen mussten. In den ersten Nachkriegsjahren hatte der Brauereibesitzer Heinrich Krammer die Kapellmeisterstelle inne, sein Stellvertreter war der 1. Flügelhornist Franz Niederhuber. Am 20. März 1951 tauschten diese beiden Herren die Rollen.

1952 wurden die Musiker mit den neuen blauen Uniformen ausgestattet. Mit Josef Kastner als strammen Stabführer konnte die Musikkapelle in der Öffentlichkeit wieder eindrucksvoll in Erscheinung treten. 1955 erfolgte ein Wechsel an der Kapellmeisterstelle, als sich Lehrer Martin Schirz bereit erklärte, die musikalische Leitung der Musikkapelle zu übernehmen. Der Kapellmeister sammelte eine Schar talentierter Burschen, unterrichtete sie auf den verschiedensten Blasinstrumenten und konnte so bald die klaffenden Lücken in der Stimmenbesetzung bald wieder schließen.

Im Winter 1959 zogen Musiker Tag für Tag von Haus zu Haus um Geld für neue Instrumente zu sammeln. Besondere Verdienste dabei hatte sich Roman Öhlinger als 1. Flügelhornist erworben. Der mit 8. Dezember 1963 neu gewählte Vereinsobmann Franz Eidenberger, Autobusunternehmer aus St. Martin, organisierte für die 40 Mann starke Musikkapelle zahlreiche Reisen ins In- und Ausland. Am 22. Mai 1966 konzertiere die Musikkapelle St. Martin beim "132. Frühschoppen im Grünen" in der Wiener Stadthalle. Das vom Publikum sehr beifällig aufgenommene, im österreichischen Rundfunk ausgestrahlte Konzert gab Zeugnis für die beachtliche Leistungsstärke der Kapelle.

Am 16. und 17. Juli 1966 wurde in St. Martin erstmals das Bezirksmusikfest abgehalten. 17 Kapellen aus dem gesamten Bezirk Rohrbach sorgten dafür, dass dieses Ereignis unvergesslich blieb. Das Bezirksmusikfest wurde zu einer Großkundgebung der Volksmusik. Am 8. Dezember 1967 wurde nach freiwilligem Rücktritt Franz Eidenbergers, der sich wegen seiner agilen und umsichtigen Vereinsführung große Verdienste erworben hatte, Siegfried Schirz zum neuen Obmann und Stabführer gewählt. Er legte mit seinem Ideenreichtum und Organisationstalent die Grundlage für ein stets interessantes und leistungsorientiertes Vereinsleben.

Im Jahre 1970 erhielt der Musikverein eine neue Tracht. Diese konnte durch Beihilfen der Gemeinde St. Martin und der Oö. Landesregierung als auch der großzügigen finanziellen Unterstützung durch die St. Martiner Bevölkerung finanziert werden. In den folgenden Jahren konnte das "Erfolgsduo" Schirz & Schirz zahlreiche Erfolge bei Marschmusik sowie bei Konzerwertungen verbuchen. Die Folge waren regelmäßige Ehrungen beim Landeshauptmann. Begleitet durch eine sehr intensive Jungmusikerausbildung durch den 1. Trompeter (später 1. Flügelhornist) Heinrich Krammer, sowie dem 1. Klarinettisten Alois Ennsbrunner konnte eine effektive Besetzung aller Register gewährleistet werden.

1985 legte Direktor Martin Schirz nach 30 Jahren das Amt des Kapellmeisters in die Hände von Günther Straßer. Obwohl es nicht leicht war, das jahrzehntelange hohe musikalische Niveau zu halten, gelang es Günther Straßer, dem Klangkörper seinen ausgezeichneten Ruf zu erhalten. Siegfried Schirz, dessen organisatorisches Talent und Engagement auf dem Blasmusiksektor auch auf Bezirksebene wahrgenommen wurde, wurde in der Folge zum Bezirksobmann des Oö Blasmusikverbandes gewählt. Dieses Amt bekleidet er bis heute mit viel Engagement und Erfolg. Die Obmann- und Stabführerfunktion im Musikverein legte er nach 25 Jahren im Jahre 1992 zurück.

Josef Rammerstorfer übernahm diese sehr verantwortungsvollen Aufgaben mit sehr viel Elan. Erfolgreiche Teilnahmen an zahlreichen Marschmusikbewertungen im Rahmen der Bezirksmusikfeste, sowie Konzertreisen nach Frankreich, Deutschland, Ungarn usw. unterstreichen sein Organisationstalent. Eine Konzertreise der besonderen Art wird für immer in die Vereinsgeschichte eingehen - die Reise nach Frankreich als musikalische Botschafter Österreichs im Rahmen des Fußball - WM - Spieles: Österreich gegen Chile. Josef Rammerstorfer legte sein Amt nach 7jähriger, erfolgreicher Tätigkeit zurück, seit dem 8. Dezember 1999 bekleidet Walter Wagner das Amt des Vereinsobmannes. Das Amt des Stabführers legte Josef Rammerstorfer mit Dezember 2003 zurück. Als neuer Stabführer agiert nunmehr Martin Luksch.

6 Jahre zeichnete Walter Wagner als Obmann des Musikvereines St. Martin verantwortlich. 2 "Amtsperioden", welche gezeichnet waren von dringend notwendiger Nachwuchsarbeit. Ebenfalls in dieses Kapitel der Vereinsgeschichte fallen die Wiedereinführung des Musikerballes der besonderen Art, das Abhalten der Musikermesse mit anschließendem Frühschoppen, sowie die Neueinkleidung des gesamten Klangkörpers.

Ab dem 7. Dezember 2005 übernahm Ing. Walter Pfoser die Agenden des Vereinsobmannes. Mit Siegfried Pusch und Thomas Ritzberger standen ihm zwei engagierte Stellvertreter zur Seite. Mit diesen drei Führungspersonen wurde 6 Jahre lang aktiv im Vereinsgeschehen gearbeitet. In dieser Zeit können wir auf Erfolge bezüglich Marsch- und Konzertwertungen und weitere Ehrungen zurückblicken. Als krönendes Highlight ihrer Amtsperioden wurde unter ihrer Führung unser Musikerfest "140er Fest Blosn" im Herbst 2011 zum Anlass unserer "140 Jahre Musikverein St. Martin im Mühlkreis" mit großem Erfolg veranstaltet.

Als neuer Stabführer gestaltet Franz Pichler seit
7. Dezember 2005 hochmotiviert das Erscheinungsbild des Klangkörpers in Formation. Unterstützung erhält er dabei von seinen Stellvertretern Markus Gruber und Martin Luksch. Dem Engagement unserer Stabführer haben wir es zu verdanken, dass wir bei den Marschwertungen immer ausgezeichnet abgeschnitten haben und aufgrund ihres Einfallsreichtumes konnten wir mit beeindruckenden Showprogrammen punkten.

Ing. Walter Pfoser legte am 8. Dezember 2011 das Amt des Obmannes in die Hände von Josef Höglinger, der von seinem Stellvertreter Thomas Ritzberger unterstützt wird. Franz Pichler, Markus Gruber und Martin Luksch bleiben ihren Funktionen treu und werden ihn in der nächsten Amtsperiode zur Seite stehen.

Bei den Wahlen am 8. Dezember 2014 wurde die bestehende Besetzung mit Obmann Josef Höglinger und Stellvertreter Thomas Ritzberger wiedergewählt. Nach seiner langjährigen Tätigkeit als Kapellmeister legte Günther Straßer sein Amt nieder. Unter seiner musikalischen Leitung erreichte der Musikverein St. Martin zahlreiche Auszeichnungen bei Konzertwertungen und absolvierte hervorragende Konzerte. Ab 8. Dezember 2014 schwingt nun Martin Falkner den Taktstock und wird als neuer Kapellmeister den Musikverein musikalisch führen.

Weitere Änderungen durch die Wahlen ergaben sich bei den Positionen des Stabführers. Franz Pichler beendet seine ehrenamtliche Tätigkeit als Stabführer und wird in Zukunft als Stellvertreter fungieren. Als neuer Stabführer wurde Oliver Hauder gewählt.

Auch im Jugendreferat ergab sich ein Wechsel. Christoph Wagner verabschiedet sich als Jugendreferent und wird den Musikverein weiterhin am Schlagwerk unterstützen. Als neue Jugendreferentin wird in der nächsten Amtsperiode Vera Kepplinger die Jugendarbeit, das JBO und weitere Jugendthemen inne haben. Unterstütz wird sie dabei weiterhin von der Jugendreferentin Stellvertreterin Simone Kepplinger.